Wiener Staatsoper. 2014-15

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Wiener Staatsoper: Gewohnter Starglanz trotz knappen Budgets
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Bild: (c) APA/HERBERT NEUBAUER
Zum Ausklang des Strauss-Jahres dirigieren Thielemann und Petrenko. Die Gruberova zelebriert ihr 45-Jahr-Bühnen-Jubiläum.
25.03.2014 | 18:16 |  Wilhelm Sinkovicz  (Die Presse)
Erst auf Anfrage sprach Staatsoperndirektor Dominique Meyer anlässlich der Präsentation des Spielplans für die kommende Saison über die Probleme, die durch die Deckelung der Subventionen (seit nunmehr elf Jahren) entstehen. Das Haus verliert angesichts der vorgeschriebenen jährlichen Gehaltserhöhungen Jahr für Jahr real Geld. In Gesprächen mit Minister Josef Ostermayer hat Meyer, wie er es formuliert, „die Glocke ein bisschen geläutet. Wir müssen ja vier Jahre im Voraus planen, sonst haben wir die Netrebkos, die Garanăas und Flórez nicht. Wollen wir das? In einer unklaren Situation zu planen, ist unmöglich.“
 
30 Prozent der Besucher seien Touristen. Man spiele also für das heimische Publikum, aber die Staatsoper sei auch ein Wirtschaftsfaktor: 200.000 Übernachtungen sind allein Folge des Operntourismus…
Was den Kartenverkauf betrifft, erreicht das Haus jedenfalls Traumzahlen: Mit Stichtag 23.März hält man bei einer Hausauslastung von 98,94 Prozent (99,63 Prozent für die Oper, 97,7 fürs Ballett) und konnte die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr noch auf 22,09 Millionen Euro steigern.
Dennoch ist die Staatsoper gezwungen, die Eintrittspreise zu erhöhen. „Wir lassen die niedrigen Kategorien dabei ungeschoren“, sagt Meyer. In der kommenden Spielzeit bietet die Staatsoper 223 Opernvorstellungen und 56 Ballette. Dazu Konzerte mit Solisten wie Michael Schade, Diana Damrau, Magdalena Kozená oder Elīna Garanăa.
 
Belcanto: Gruberova, Netrebko, Flórez
Edita Gruberova feiert die 45 Jahre ihrer Zugehörigkeit zur Wiener Staatsoper mit einem Konzert am 7. Februar 2015, das Ausschnitte aus den Belcanto-Dramen „Lucia di Lammermoor“, „I Puritani“, „Anna Bolena“ und „Roberto Devereux“ bringt. Die Anna Bolena in der szenischen Version der Donizetti-Oper ist Anna Netrebko (10., 13. 17., 20. April).
Zum Ausklang des Richard-Strauss-Jahres dirigieren Christian Thielemann „Ariadne auf Naxos“ (mit Soile Isokoski, Johan Botha und Daniela Fally am 12., 15., 18., 21., 23. Oktober) und Kirill Petrenko den „Rosenkavalier“ (20., 23., 26. und 28. November).
An Dirigenten erscheinen nebst GMD Welser-Möst (35 Abende) unter anderen Ingo Metzmacher („Lady Macbeth“), Simon Rattle (zweimal „Nibelungen-Ring“ mit Evelyn Herlitzius im Mai) oder Myung-whun Chung, Yannick Nézet-Séguin dirigiert den „Fliegenden Holländer“ mit Bryn Terfel zur Saisoneröffnung, der vermutlich live für eine CD-Produktion mitgeschnitten wird.
Die jüngeren Produktionen sind teilweise neu besetzt: Kristīne Opolais und Piotr Beczala in „Rusalka“, José Cura an der Seite von Nina Stemme im „Mädchen aus dem goldenen Westen“. In „La Cenerentola“ übernimmt Juan Diego Flórez den Ramiro (Dezember). Flórez singt auch den Nemorino in Donizettis „Liebestrank“ (September) und den Ernesto in der Neuinszenierung von „Don Pasquale“ mit Michele Pertusi und Valentina Nafornita (Regie: Irina Brook, Premiere: 26. April). Neu außerdem: Mozarts „Idomeneo“ (Kaspar Holten, Christoph Eschenbach) mit Michael Schade, Margarita Gritskova, Maria Bengtson und Chen Reiss; Mussorgskys „Chowanschtschina“ (Lev Dodin, Semyon Bychkov) mit Ferruccio Furlanetto (15. November), Verdis „Rigoletto“ (Pierre Audi, Franz Welser-Möst) mit Piotr Beczala, Simon Keenlyside und Valentina Nafornita (20. Dezember) und Strauss’ „Elektra“, in der Nina Stemme in der Titelpartie debütieren wird (Uwe Eric Laufenberg/Welser-Möst, 29. März).
Thomas Ades dirigiert die Erstaufführung seiner erfolgreichen Shakespeare-Vertonung „The Tempest“ (14. Juni), für Kinder gibt man Lortzings „Undine“ (ab 18. April).
Das Wort „Wiederaufnahme“ findet sich nicht im Jahresprogramm. Meyer: „Wir bemühen uns, jede Serie gut vorzubereiten.“ Nach längerer Pause kehren etwa Halévys „Jüdin“ und Hindemiths „Cardillac“ zurück.
Manuel Legris kündigt ein „ausgewogenes“ Ballettrepertoire an, voran die Premiere eines Richard-Strauss-Abends unter Welser-Möst Leitung („Verklungene Feste“ und „Josephslegende“ ab 4. Februar).
(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 26.03.2014)